Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Poster

Systematische pädagogische Weiterentwicklung der Berufsschulinternate (Internate als Bildungsinstitutionen) – Kompensationspädagogische Perspektiven

Von:
Lehrer, Johann; Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Österreich
Wohlmuth, Günter; Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Österreich
Bauer, Jürgen; Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Österreich

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 13:00 - 14:00
Typ: Poster
Stichworte: Berufsschulinternate (-heime), Erzieher_in, Berufsbiografie, Gelingensbedingungen, Weiterentwicklungspotenziale, sozioökonomischer Hingergrund, Unterstützungsleistung, Lernunterstützung, Beziehungsdimsensionen, Rekonstruktiv-hermeneutische Analyse.

Forschungsgegenstand:

Neueste Befunde der Bildungs­ und Berufsbildungsforschung werden in der Berufsbildung intensiv diskutiert. Der Kontext des Schul­ und Bildungswesens wird von zwei Faktoren, nämlich der demographischen Entwicklung und den sozioökonomischen Hintergründen der österreichischen Schüler_innen bestimmt. Diese beiden Faktoren, die von den Akteur_innen nicht beeinflusst werden können, sind sowohl in der Ausbildung im elementar-pädagogischen Bereich als auch in der Fort­ und Weiterbildung der Berufsbildung mittelbar determinierend wirksam.

Werden Berufsschulinternate im Bereich der dualen Ausbildung als eine wesentliche kompensatorische pädagogische Einrichtung wahrgenommen und entsprechend weiterentwickelt, könnte in Teilen des Berufsschulwesens oben beschriebener Problemlagen entgegengesteuert werden. Die besondere Rolle und Verantwortung der handelnden Personen in (Berufs-)Schulen, Ausbildungsbetrieben und Berufsschulinternaten bezüglich der Unterstützungsleistung für Schüler_innen und Lehrlinge betonen alle verfügbaren Befunde der (Berufs-)Bildungsforschung (Lehrer, 2014).

Stand der Forschung:

Drei Beziehungsdimensionen, die mit großer Wahrscheinlichkeit maßgeblich für Erfolg und Misserfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Berufsbildung verantwortlich sind, werden von Stamm umrissen: „(a) die Dimension der Schicksals- oder Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Organisation Berufsschule resp. Ausbildungsbetrieb; (b) die Dimension der Subkultur, die gemeinsame kulturelle Interessen und Vorlieben teilt; (c) die Dimension der institutionalisierten, ausserbetrieblichen Verbindung im Rahmen von Freizeitaktivitäten“ (2009, S. 366).

Sieht man von einer wahrzunehmenden Rolle und damit verbundenen Verantwortung beispielsweise der Berufsschulinternate (-heime) ab – deren pädagogische Weiterentwicklung sowie Begleitung durch die Berufsbildungsforschung wünschenswert wäre –, so entziehen sich oben beschriebene Beziehungsdimensionen dem unmittelbaren Schulbetrieb. Mitunter ist der familiäre und soziale Hintergrund von Schüler_innen einer von vielen Gelingens­ bzw. Misslingensfaktoren, die in der Schule wirksam werden.

Wichtige Faktoren, die für einen Misserfolg der Jugendlichen in der Berufsbildung verantwortlich sein können, lassen sich folgendermaßen festmachen: Für mehr als die Hälfte der Auszubildenden spielen

• die Gleichaltrigengruppe (z. B. peer­group),

• der Ausbildungsbetrieb und

• das außerschulische Umfeld (z. B. Berufsschulinternate)

eine entscheidende Rolle.

Forschungsfragen und -design:

Dementsprechend werden folgende Leitfragen in der empirischen Untersuchung diskutiert:

• Wie definieren Berufsschulinternate und deren Personal ihre Rolle in kompensationspädagogischer Hinsicht?

• Welche Weiterentwicklungspotenziale bezüglich biographischer Entwicklungsaufgaben bzw. pädagogischer Leistungsfähigkeiten sehen die Landesberufsschulinternate (­-heime)?

• Welche Rolle spielen Berufsschulinternate für die Berufsschüler_innen in kompensationspädagogischer Hinsicht beim Erkennen von Gelingens­ bzw. Abbau von Misslingensbedingungen?

Das inhaltsanalytische Verfahren soll dazu führen, dass auf der Grundlage der Befragung von Schüler_innen Hypothesen generiert werden und im Anschluss daran die Forschenden ihre Expertise aus der langjährigen Erfahrung und Arbeit mit Berufsschüler_innen an den Berufsschulen bzw. in Berufsschulinternaten beim Lösen der Forschungsfragen mit einbringen.

Im Rahmen der qualitativen Erhebung wurden im Schuljahr 2016/17 sieben Berufsschüler_innen der Landesberufsschule Hallein mittels Leitfadeninterview befragt. Die Auswertung erfolgt mittels computergestütztem Verfahren, wobei Sinneinheiten gebildet werden, um daraus eine mikrosprachliche, deskriptive Feinanalyse zur Beantwortung der Forschungsfragen zu erhalten (Weber, 2015, S. 594).

Zu erwartende Ergebnisse:

Die aus den Interviews gewonnen Erkenntnisse, im Sinne einer rekonstruktiv-hermeneutischen Analyse, werden wiederum in handlungsleitende Strukturen für die Arbeit in Berufsschulinternaten übergeführt. Diese Ergebnisse (Sinneinheiten) stellen die Basis für die veränderten Arbeitskulturen in den Internaten und somit für die Zusammenarbeit zwischen Erzieher_innen und Lernenden dar, mit dem Ziel, die Berufsschüler_innen in den Schülerheimen bei der Entwicklung ihrer Berufsbiografie bestmöglich zu unterstützen.

Ausgewählte Literatur:

Lehrer, J. (2014). Die aktuelle Bildungsforschungsdebatte und mögliche Konsequenzen für die Fort- und Weiterbildung (FWB) in der Berufsbildung (BB). ph.script. Pädagogische Hochschule Salzburg. Beiträge aus Wissenschaft und Lehre, (07), 40–49.

Stamm, M. (2009). Migranten als Aufsteiger. Reflexionen zum Berufserfolg von Auszubildenden mit Migrationshintergrund. ZBW Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 105 (Heft 3), 361–377.

Weber, K. M. (2015). Computergestützte Datenauswertung: Entwicklung von Software quintexA. In J. Kruse (Hrsg.), Qualitative Interviewforschung: Ein integrativer Ansatz (2. Aufl., S. 593–612). Weinheim und Basel: Beltz Juventa.



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