BBFK 2020

WIE wollen
wir ARBEITEN?

Berufliches Lernen 
zwischen Tradition
und Transformation

7. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 9.-10.7.2018, Klagenfurt

Poster

Community-basierte Forschung in der Lehrlingsausbildung – Die Zukunftswerkstatt als partizipative Forschungsmethode

Von:
Klemenjak, Martin; Fachhochschule Kärnten, Österreich

Session: Postersession
Zeit: Donnerstag, 5.7.2018, 13:00 - 14:00
Typ: Poster
Stichworte: Community-basierte Forschung, Lehrlingsausbildung, Zukunftswerkstatt, partizipative Forschungsmethode

Nach dem Besuch der Pflichtschule absolvieren in Österreich fast 40 % der Jugendlichen eine Lehrlingsausbildung (vgl. BMWFW 2014, 4). Folgen wir Elke Gruber (2004, 17), so ist „die pädagogische und wissenschaftliche Reflexion des Berufsbildungssystems in Österreich traditionell stark unterbelichtet.“

Den Ausgangspunkt der gegenständlichen Präsentation bildet folgende Forschungsfrage: Welche Konsequenzen ergeben sich für die kaufmännische Lehrlingsausbildung aufgrund des Wandels von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft und welche Handlungsempfehlungen können formuliert werden?

Die Beantwortung dieser Fragestellung erfolgt in einem theoretischen und in einem empirischen Teil. Der erste Teil verortet die Lehrlingsausbildung im Berufsbildungssystem, skizziert den Wandel von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft und beleuchtet die Konsequenzen für die Lehrlingsausbildung. Darauf soll aber im Rahmen der gegenständlichen Präsentation nicht im Detail eingegangen werden. Vielmehr wird der Fokus auf exemplarisch ausgewählte Teile der empirischen Rahmung gelegt.

In diesem Kontext wurde ein partizipativer Zugang gewählt, welcher „auf die Planung und Durchführung eines Untersuchungsprozesses gemeinsam mit jenen Menschen gerichtet [ist; Anm. M.K.], deren soziale Welt und sinnhaftes Handeln als lebensweltlich situierte Lebens- und Arbeitspraxis untersucht wird.“ (Bergold/Thomas 2012, Absatz 1) „Nicht Forschung über Menschen und auch nicht für Menschen, sondern Forschung mit Menschen – dies ist der Anspruch und die grundlegende erkenntnistheoretische Position von partizipativer Forschung.“ (Bergold/Thomas 2010, 333) Hella von Unger (2014, 35) konstatiert, dass die Beteiligung von Co-Forscher/innen eine „zentrale Komponente eines partizipativen Designs“ darstellt. Beim Ansatz der Community-basierten partizipativen Forschung wird der „Schwerpunkt auf die Beteiligung von Vertreter/innen lebensweltlicher Gemeinschaften und marginalisierter Gruppen“ gelegt (vgl. von Unger 2014, 35).

Jarg Bergold und Stefan Thomas (2012, Absatz 63) bringen zum Ausdruck, dass Erhebungsmethoden „an die Alltagserfahrungen der Teilnehmenden anknüpfen“ sollen „und dadurch ein Verständnis des konkreten Vorgehens ermöglichen. Das bedeutet, dass neue Erhebungsmethoden jeweils entwickelt werden müssen, die der konkreten Forschungssituation und den jeweiligen Forschungspartner/innen angemessen sind.“ Diesem Plädoyer folgend, gelangte die Zukunftswerkstatt als Forschungsmethode zum Einsatz. Die Ursprünge dieser Methode sind in den frühen 1960er Jahren zu finden und entstanden aus der Kritik sozial engagierter Zukunftsforscher (vgl. Dauscher 2006, 111). „In der Kritikphase wird Kritik am bestehenden Zustand gesammelt, in der Utopie- oder Phantasiephase ein utopischer Gegenentwurf aufgestellt, aus dem in der Realisierungsphase eigene Zielvorstellungen und Handlungsmöglichkeiten entworfen werden.“ (Dauscher 2006, 111 bis 112) Somit werden die Lehrlinge nicht „beforscht“, sondern mit ihnen gemeinsam der Forschungsprozess gestaltet. D.h. die Jugendlichen bringen ihre Kritik an „ihrer“ Lehrlingsausbildung zum Ausdruck, formulieren „Idealzustände“ und stellen konkrete Forderungen auf, aus welchen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

Im Rahmen der Präsentation anlässlich der 6. Berufsbildungsforschungskonferenz in Steyr wird der Fokus nicht auf die Darstellung der Forschungsergebnisse gelegt, sondern – neben der empirischen Rahmung – auf die reflexive Betrachtung der eigenen Rolle im Forschungsprozess inkl. einer Methodenkritik.

Literaturverzeichnis

Bergold, Jarg/Thomas, Stefan (2010): Partizipative Forschung. In: Mey, Günter/Mruck, Katja (Hrsg.): Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Wiesbaden, 333 bis 344.

Bergold, Jarg/Thomas, Stefan (2012): Partizipative Forschungsmethoden: Ein Forschungsansatz in Bewegung. In: Forum Qualitative Sozialforschung, Volume 13, No. 1, Art. 30. (Online im Internet unter: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1801/3332 [Zugriff am 25. Juli 2016])

Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) (2014): Die Lehre – Duale Berufsausbildung in Österreich. Moderne Ausbildung mit Zukunft. Wien.

Dauscher, Ulrich (2006): Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. Augsburg.

Gruber, Elke (2004): Berufsbildung in Österreich – Einblicke in einen bedeutenden Bildungssektor. In: Verzetnitsch, Fritz/Schlögl, Peter/Prischl, Alexander/Wieser, Regine (Hrsg.): Jugendliche zwischen Karriere und Misere – Die Lehrausbildung in Österreich, Innovationen und Herausforderungen. Wien, 17 bis 38.

von Unger, Hella (2014): Partizipative Forschung – Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden.



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