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BBFK 2026

Quo vadis Arbeitswelt?

Berufliche Praxis und berufliche Bildung auf dem Prüfstand
9. österreichische Berufsbildungsforschungskonferenz am 3.-5.07.2024 in Innsbruck

Quo vadis Arbeitswelt?

Thema:
Quo vadis Arbeitswelt? Berufliche Praxis und berufliche Bildung auf dem Prüfstand

Seit Jahren stellen globale Megatrends wie der demographische Wandel, technologischer Fortschritt und ökologische Entwicklung die berufliche Bildung vor neue Herausforderungen. Komplexe Dynamiken am Arbeitsmarkt gehen einher mit unterschiedlichen Phänomenen wie dem übergreifenden Fachkräftemangel, veränderten Bildungsbiographien und neuen Ausbildungswegen. Diese Situation wird aktuell durch zunehmende geopolitische Unsicherheiten und eine daraus resultierende angespannte wirtschaftliche Lage zugespitzt. Trotz der hohen Bedeutung von Fachkräften geht in vielen Feldern das Engagement von Unternehmen in der dualen Ausbildung zurück. Auf der anderen Seite zeigen Studien zur demographischen Entwicklung, dass sich heutige Berufsverläufe von denen der Vorgängergeneration deutlich unterscheiden, während übergreifende Sozialisierungsmechanismen und soziokulturelle Mentalitäten („Praxisverständnis“) weitgehend stabil bleiben.

Solche ambivalenten Befunde hängen direkt oder indirekt mit der offenkundig veränderten Realität der Berufsausübung zusammen, die in vielen Berufsfeldern so rasant voranschreitet, dass gesetzliche Rahmenbedingungen, Ausbildungsordnungen oder schulische Lehrpläne sie oft nur begrenzt erfassen können. Nicht zuletzt durch die Erfordernisse der Nachhaltigkeit sowie durch jüngste technologische Entwicklungen (Digitalisierung, Künstliche Intelligenz) gilt es, Berufsprofile, Arbeitsinhalte, Kompetenzbeschreibungen und Ausbildungsschwerpunkte zu überdenken. Damit muss sich auch die Berufsbildung neu aufstellen und es zu ihrer Kernaufgabe machen, die rasch wandelnde berufliche Praxis angemessen in Ausbildung, Lehre und Forschung zu integrieren.

Aus dieser Perspektive lassen sich eine Reihe exemplarischer Fragen ableiten, die das Phänomen der Berufspraxis zunächst in seiner alltäglich-gegenwärtigen Ausprägung beschreiben:

  • Wie sieht heute die konkrete Berufsausübung in einzelnen Feldern aus?
  • Wo verschieben sich Arbeitsroutinen?
  • Was bedeuten diese Entwicklungen für die berufliche Handlungskompetenz, die als Qualifizierungsziel in der Ausbildung verankert ist?

Darüber hinaus ist nach den verantwortlichen Akteuren und Strukturen zu fragen:

  • Wer sind heute die treibenden Kräfte der beruflichen Praxis? Welche Akteure, Strukturen und Prozesse definieren das, was beruflich relevant ist?
  • Wie wirken sich sozioökonomische Indikatoren wie Geschlecht, Herkunft und Bildungshintergrund auf die Berufsausübung aus?
  • Was sind die Anforderungen, die sich aus den neuen Realitäten für das berufliche Lehr-, Ausbildungs- und Leitungspersonal ergeben?

Schließlich stellen sich auf einer Metaebene weitere Fragen nach den systemischen Grenzen und Verschiebungen zwischen Beruf und Arbeit:

  • Kann der Wandel der Arbeitswelt nicht auch Anlass bieten, die Stärken der beruflichen Bildung neu zu diskutieren – etwa die integrative Kraft eines institutionalisierten Berufslebens in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs?
  • Inwiefern kann das Berufliche als Medium der Bildung und Professionalisierung einer Entgrenzung des Arbeitslebens entgegenwirken?
  • Wo liegen die Grenzen einer in Berufen organisierten Arbeitswelt? Werden Berufe in Zukunft noch wichtiger oder aber zunehmend obsolet?

Das sind einige der drängenden Fragen, die den Wandel der Berufspraxis und die damit verbundenen Herausforderungen im Kontext von Demografie, Technologie und Ökologie beschreiben. In Zeiten des dauerhaften Wandels der Arbeitswelt müssen sich Berufskonzepte, so scheint es, einem Stresstest unterziehen, wollen sie auch morgen noch relevant sein. Vor diesem thematischen Hintergrund lädt die 10. BBFK dazu ein, den aktuellen Diskussions- und Forschungsstand sichtbar zu machen und bietet einen Denkraum jenseits von Dringlichkeit und Getriebenheit, der alternative Entwicklungsrichtungen und bisher wenig aufgegriffene Potenziale sichtbar werden lässt.