Bildung = Berufsbildung?!

 

6. Österr. Berufsbildungsforschung Konferenz, 5.-6.7.2018, Steyr/OÖ

Paper

Gestaltung von Übergangen durch die Integration von Lern- und Arbeitsprozessen in der beruflichen Weiterbildung am Beispiel der Composite-Berufe

Von:
Vieback, Linda; Hochschule Magdeburg-Stendal, Deutschland
Schüßler, Philipp; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Lars, Müller; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Matschuck, Evelyn; Hochschule Magdeburg-Stendal, Deutschland
Harms, Olga; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
Brämer, Stefan; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

Session: Papersession P3b/1
Zeit: Freitag, 6.7.2018, 12:00 - 13:00
Ort: Fachhochschule - Seminarraum Bene im 3. Stock
Typ: Paper
Stichworte: Berufliche Weiterbildung, Motivation, Interesse, Arbeitsprozessorientierung, Modularisierung, Individualisierung, Flexibilisierung, Mikrosystemtechnik, Composite

Der Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften, welcher u.a. durch demografische Prozesse, dem hohen Tempo technologischer Entwicklung sowie der Komplexität und Flexibilität moderner Produktionssysteme ausgelöst wird, stellt Unternehmen vor immer größeren Herausforderungen. Gerade in Schlüsseltechnologien wird eine kontinuierliche Aktualisierung der Wissensbestände der Fachkräfte, um die berufliche Handlungsfähigkeit im Arbeitsprozess aufrecht erhalten zu können, benötigt. Dies gilt insbesondere für die Composite-Berufe.

Composite-Berufe sind berufliche Tätigkeiten, die, im Unterschied zu den separaten Berufsfeldern in den Bereichen „Metall“, „Kunststoff“ bzw. „Holz“ usw., auf die Zusammenführung von unterschiedlichen Werkstoffen zu einem Verbundwerkstoff oder Werkstoffverbund ausgerichtet sind. Weiterhin wird mit dem Begriff eine Tätigkeit bezeichnet, welche die Integration von metallischen und/oder elektronischen Mikrosystem-Komponenten in einen (u.a. spritzgegossenen, 3d-gedruckten) Kunststoff beinhaltet, so dass im Ergebnis ein „intelligenter Kunststoff“ entsteht. Eine Tätigkeit in den „Composite-Berufen“ ist nicht allein auf den Fertigungsprozess beschränkt, da die Tätigkeitsfelder den gesamten Wertschöpfungsprozess sowie Produktlebenszyklus des Produkts bzw. Bauteils erfassen.

Im Bereich der Composite-Berufe ergibt sich, bedingt durch den Fachkräftemangel und durch das Fehlen eines „FacharbeiterInnenabschlusses für Composite“, die Besonderheit, dass die in den Unternehmen beschäftigten MitarbeiterInnen häufig einen artfremden Berufsabschluss (u.a. Handwerksberufe, wie TischlerIn, BäckerIn, MetallbauerIn, MalerIn, LackiererIn) besitzen.

Auf Grundlage dieser Ausgangssituation erkennen Unternehmen zunehmend die Vorteile von Weiterbildungen und explizieren einen Bedarf im Bereich der Hochtechnologien. Vor diesem Hintergrund rücken Hochschulen als Anbieter von Weiterbildungen in den Fokus, da sie neben dem neuesten technologischen Know-How sowie der technologischen Infrastruktur, auch das entsprechende qualifizierte Personal besitzen, um die MitarbeiterInnen praxisnah weiterzubilden. Es bedarf jedoch einer besonderen methodisch-didaktischen Konzeption, damit die angesprochene heterogene Zielgruppe, trotz unterschiedlichen Erfahrungs- und Kenntnisstandes, die Weiterbildung erfolgreich absolvieren kann.

Das vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt “InnovatWB” geförderte Projekt „Zukunftsorientierte Weiterbildung in Composite-Berufen (ComWeiter)“ nimmt sich dieser Herausforderung an und erforscht, entwickelt und erprobt passfähige, mit der beruflichen Tätigkeit vereinbarende Weiterbildungsmodule im Bereich der Faserverbundwerkstoffe (Composite). Unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Composite-Berufe sowie der daraus resultierenden Zielgruppe, der nicht-formal Qualifizierten, stehen u.a. die zwei zentralen Forschungsfragen im Fokus, deren Beantwortung einen wesentlichen Teil zur Entwicklung der Weiterbildungsmodule und -formate beitragen haben:

1. Welche Faktoren erhöhen auf Seiten der ArbeitnehmerInnen das Interesse und Motivation zur Teilnahme an beruflichen Weiterbildungsveranstaltungen?

2. Wie müssen berufliche Weiterbildungen ausgestaltet werden, um eine individuelle Karriere unter Berücksichtigung der Faktoren: „Anforderungen der TeilnehmerInnen“, „Durchlässigkeit“ sowie „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ zu ermöglichen?

Der vorgeschlagene Beitrag beschreibt die Ergebnisse der Forschungsarbeiten zur Beantwortung der zwei Forschungsfragen. In einem ersten empirischen Teil wurden durch explorative Interviews (Gläser & Laudel, 2010) Bedarfe und Anforderungen aus Sicht der ArbeiternehmerInnen erhoben und durch die zusammenfassende Inhaltsanalyse ausgewertet (Mayring, 2015). Der zweite Teil des vorgeschlagenen Beitrags beschreibt die Überführung der Ergebnisse der empirischen Erhebungen sowie darauf aufbauend die Konzeption der Weiterbildungsangebote. Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen nicht-formal qualifizierte Fachkräfte einsetzen und diese im Arbeitsprozess (learning on the job) auf die gewünschte Tätigkeit hin aus- und weiterbilden. Im Fokus dabei steht die Handlungsfähigkeit der MitarbeiterInnen, die die Tätigkeiten auszuführen sollen. Dabei wird das fehlende Fachwissen kritisch gesehen, da dadurch die Fehlerquote im Arbeitsprozess erhöht wird. Da Unternehmen jedoch selbst keine adäquate Weiterbildung durchführen können, wünschen sie sich Angebote in diesem Bereich. Die Angebote müssen, die theoretisch fundierte Inhalte, praxisnah und handlungsorientiert vermitteln. Die Ergebnisse zeigen, dass die zu entwickelnden Weiterbildungsangebote, eine explizite Arbeitsprozessorientierung (Rogalla, 2005; Rohs & Einhaus, 2004), Modularisierung, Individualisierung und Flexibilisierung sowie den Einsatz von Blended Learning Lehr-Lernarrangements benötigen (Brämer et al. 2017; Vieback et al. 2017). Die praktische Umsetzung wird abschließend exemplarisch anhand des Weiterbildungsangebots „3D-MID“ erläutert.



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